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International Law
: Handakte WebLAWgPostmortale Zeugung
By Handakte
Als erster Mensch auf der Welt unterzeichnete Baruch Poznansky ein biologisches Testament.
Die Hoffnung liegt in einem Glasröhrchen, sicher umschlossen von flüssigem Stickstoff. Bei minus 196 Grad lagert es in einer Samenbank in Tel Aviv, ein schmales Schild mit einem Code an der Seite. Derselbe Code, der auf dem Briefkopf steht, den Julia Poznansky einmal im Jahr bekommt, zusammen mit einer Rechnung über 700 Schekel. Rund 120 Euro dafür, dass die Kühlgeneratoren die Hoffnung am Leben halten.
In den Fluren riecht es nach Desinfektionsmittel und Krankenhaus, Schwestern eilen an den Wartenden vorbei. Es sind vor allem Soldaten, die an den kahlen Wänden lehnen, in ihren khakifarbenen Uniformen, mancher mit einer Waffe auf dem Schoß. Achtzehn-, Neunzehnjährige, selbst noch halbe Kinder, die vorsorgen wollen, bevor sie nach Gaza oder in die Westbank geschickt werden. (…)
Im Dezember hat ein Gericht in Haifa endlich über das Sperma von Idan Snir entschieden. Im Widerspruch zur nationalen Richtlinie hat es den Eltern die Samenspende zugesprochen – obwohl sie nichts Schriftliches von ihrem Sohn hatten. “Unser Fall liegt viel besser”, triumphiert Julia am Telefon, als sie von dem Urteil erfährt. “Wir sind endlich wieder optimistisch.” Sie schluckt. “Mein Sohn war ein wunderbarer Junge. Es wäre eine Schande, diese Gene nicht zu nutzen.”
“Das Urteil ist richtungsweisend“, sagt Anwältin Rosenblum. “Trotzdem: Es wird im Einzelfall entschieden. Aber wenn die Poznanskys recht bekommen, können die Gerichte die biologischen Testamente nicht länger ignorieren. Das wäre eine Revolution.” Sie selbst hat derweil schon neue Pläne. Sie will das biologische Testament institutionalisieren. Jedem Soldaten soll bei der Einberufung routinemäßig angeboten werden, seinen Samen aufzubewahren. Auf Staatskosten. “Wenn Israel seine Kinder dem Tod aussetzt, muss es auch dafür Rechnung tragen, dass das Leben weitergeht.” (…)
Quelle: FAZ vom 11.01.2010
Full post as published by Handakte WebLAWg on January 11, 2010 (boomark / email).









